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Pferde – die früheste Folgedes großen Südamerika – ReisendenHier mit dem literaturunbekannten TiteltextRugendas, Johann Moritz (Augsburg 1802 – Weilheim/Teck 1858). Pferde / aus dem / Königlich-Baierischen Marstall. / Nach der Natur gezeichnet und radirt / von / J. Moritz Rugendas. Sohn. / AUGSBURG, 1820. / Im Verlag bei J. LORENZ RUGENDAS. Vater. Folge von 6 Blatt, doch siehe unten. Radierungen. 1819/20. Kl.-qu.-fol. (Plattengröße 16,6-18,2 x 23,2-24,4 cm). Bezeichnet im unteren weißen Plattenrand mit dem jeweiligen Namen sowie ggf. im Bildrand mit Signatur + Datum, siehe unten. In altem schweren Bütten-Umschlag mit aufmontiertem Titelausschnitt des blau-grauen Orig.-Umschlags.
Teuscher 986-991 („Hengste, Folge von 6 Bll.“) nebst Abbildungen bei Unkenntnis des Titels und der drei weiteren Blatt, wie hier für ein anderes Exemplar bekannt geworden. – Mit Ausnahme von T. 986 nicht bei Stillfried. – Je ein titelloses Exemplar in Augsburg (Staats- und Univ.-Bibliothek, kolor.) + Stuttgart (Staatsgalerie), beide gleichfalls nur 6blättrig . – Das von Stillfried (1879) nachgewiesene Einzelblatt der Staatlichen Graphischen Sammlung München im Kriege verlustig gegangen. – Fehlte den importanten hippolog. Sammlungen Anderhub (1963) + Sarasin (1999). Die früheste Folge des großen Südamerika-Reisenden geschaffen als 17/18jähriger , bevor er, 19jährig, nach Brasilien aufbrach . Thematisch eine Familientradition aufgreifend, für die der Urgoßvater Georg Philipp I steht, von dem 1889 Wilhelm Schmidt in der ADB schrieb „ohne Zweifel ein Talent ersten Ranges, um nicht zu sagen, ein Genie. (Der z)weifellos, unter bessere Verhältnisse gesetzt, etwa in den Niederlanden um 1650 lebend, ein Künstler geworden sei, der seine sämmtlichen Pferde- und Schlachtenconcurrenten überflügelt hätte“. Wie Mori(t)z nach erster väterlicher Ausbildung bei Albrecht Adam in die Lehre ging, der seinerseits zum Begründer einer Künstler-Dynastie von Pferde- und Schlachtenmalern wurde. 1817 folgte die Aufnahme in die Münchner Akademie, wo er sich unter Lorenz Quaglio II dem Genre- und Landschaftsfach widmete. Aus jenen frühen Jahren verzeichnet Teuscher wohl nur elf graphische Arbeiten nach eigener Vorlage (984-993 + 1311 als dem Portrait des Vaters), auf die namentlich Nagler’s Urteil – „schöne Blätter“ – im Künstler-Lexicon (XIV, 1845, Pos. 1-2) zielt: „ Einzelne Pferde und Gruppen, so wie auch Hunde, gezeichnet und radirt von Moritz Rugendas, qu. und kl. folio. “ Mit der hiesigen Folge als Kernstück, die in eben der Unkenntnis des hier offenbar erstmals dokumentierten Umschlag-Titels 1937 von Hämmerle vage wie folgt umschrieben wurde:
(Albert H., Die letzten Maler Rugendas, in Vierteljahreshefte zur Kunst und Geschichte Augsburgs, 1937/III, SS. 1-110, Anm. 51).
Alexander Mor. Rugendas pinx. (?) et del. – 1819. Gezäumter und schulgesattelter Fliegenschimmel im Gang vor seiner Box nach rechts, aus der linken Nebenbox grüßt der Kopf eines gezäumten Braunen. – Von Teuscher (1998) in Unkenntnis des Umschlag-Titels per Übernahme 1952er schriftlicher Mitteilung E. Hubala’s (Städt. Kunstsammlungen Augsburg) wie folgt fehlinterpretiert:
Mameluc. M in Hufeisen – (spiegelbildlich) M. R. aqua forte fecit Gezäumter Brauner nach links, angebunden an Stallaußenwand, den Kopf nach links dem Betrachter zugewandt.
Cirus. Moritz Rugendas 1819 Gezäumter und gesattelter Rappe nach links in Blickkontakt zum Betrachter, im Innern einer Reitschule an Pilar gebunden.
Colibri. M Rugendas. 1820 (die spiegelbildliche 2 von Teuscher als 5 gelesen). – Gezäumter Brauner nach rechts, am Stalltor angebunden.
Faitexprais. J (?) M. Rugendas 1820 (die 2 von Teuscher als 5 gelesen). – Gezäumter und gesattelter Grauschimmel nach links im Innern einer Reitschule, zwischen zwei Pilaren gebunden, an denen oben nach außen jeweils eine Fahne steckt.
Defderdar. Grauschimmel nach rechts auf kleinem Hügel über freiem Feld, horizontal linksseits begrenzt von zartem dichten Baumwerk, das hier rechts des Pferdes nur noch anskizziert ist. Letzteres im Gegensatz zu Teuscher, deren Abbildung eine gleichmäßige Fortsetzung, vielleicht gar mit eingebetteten Baulichkeiten erkennen läßt, möglicherweise als individuelle Hinzufügung, da wohl nach dem kolorierten Augsburger Exemplar reproduziert. Ob solchermaßen hiesiges Exemplar als Zustandsdruck oder als in jener Partie unzulänglich eingefärbt anzusprechen ist, muß derzeit offenbleiben. Vier Blätter oben + unten 1,5-2,7 cm (eines nur 1,5-1,8) und seitlich 1-1,5 cm (eines bis 1,8) breitrandig, zwei seitlich nur 0,4-0,7 cm bei nur 1-2,5 bzw. 1 cm für oben und unten. Der weiße Plattenrand seinerseits meist ca. 1 cm breit. – Durchweg nur vereinzelte schwache Stockfleckchen nahezu ausschließlich im weißen Rand, nur ein Blatt unten etwas mehr und in drei Randecken zudem mit schwachem Wasserrand wie an einer Ecke auch bei einem weiteren. – Drei Blatt mit alt hinterlegtem 2,5-3,5 cm langen Papierausriß im unteren rechten Seitenrand, davon je einer den weißen Plattenrand ganz bzw. hälftig einbeziehend. Ein weiteres mit zwei minimalen Ausrissen außerhalb des Plattenrandes dortselbst. Die Erwerbswürdigkeit hiervon letztlich unberührt angesichts der absoluten Seltenheit der Folge an sich, deren Auftauchen der präsente literaturunbekannte originale Umschlag-Titel mit seinem zudem anrührenden familiären Urheber/Verleger-Text geradezu zu einem Ereignis macht.
(Sign. L. B., December 10, 2005) |