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„ war ohne Zweifel ein Talent ersten Ranges,um nicht zu sagen , ein Genie “
„ Diese Folgen …dokumentieren die Gemälde “Rugendas I, Georg Philipp (1666 Augsburg 1742). Reiter-, Pferde- und Schlachtenszenen aus 1693 – 1705. 24 Folgen zu 48 Blatt (von gesamthaft 27 zu 64 Blatt). Clairobscurs von Johann Christian Rugendas (1708 Augsburg 1781). Ca. 1740. Qu.-fol. Hldr.-Bd. d. Zt. a. 5 Bünden m. Ldrecken. u. marmor. Deckelbezügen. Teuscher 593-640 (von 589-652) nebst Abbildungen; Stillfried 529-576 (von 525-588). – Vgl. Nagler, J. Chr. R., 5-17. - schriften der ridinger handlung 7. – Mit gestochenem alten Wappen-Exlibris und dem der Slg. Dr. Roederstein.
Die in sich completten 24 Folgen a-x (g = 2 x verwandt; die hier nicht präsente „AA“ von Teuscher und Stillfried unter Außerachtlassung der Kustoden-Abfolge vor „a“ gesetzt) nach den väterlichen Gemälden. Die von Nagler gezählten 80 und von ihm willkürlich auf 17 Suiten verteilten Clairobscurs beziehen auch lediglich zeichnerische Vorlagen des Vaters ein.
Hiesige nach den Gemälden geabeitete Folgen a-x meist ein- und zweiblätterig, doch auch zu viert (2) bzw. zu acht. Die hier nicht präsenten AA, y + z dokumentieren jeweils 4, 10 + 2 Öle. Sie sind sämtlichs mit den Signaturen von Vater (nebst Datum, teils auch Lokalität ihrer Entstehung) und Sohn bezeichnet. Abgezogen auf einheitlich schönem festen Bütten von 24 x 36 cm, messen die Plattengrößen 10,2-21,7 x 10,5-32,4 cm, wobei eine Mittelgröße von etwa 17 x 24 cm dominiert. Entsprechend unterschiedlich die Breitrandigkeit, doch nur eines der ganz großen Blätter 8 cm auf der unteren Plattenkante geschnitten. Das erste Blatt rechts knappe 5 cm angerändert, das zweite mit leichter Quetschung im unteren linken Bildrand.
Großartige Sammlung jener Arbeiten, die den genialen Dynastie-Begründer als Pferdemaler so unvergleichlich dokumentiert. Denn der auf väterliche Vorlagen spezialisierte zweite Sohn Christian pflegte „eine besondere Manier, „welche die Sepia- oder Bisterzeichnungen (hier die Gemälde) er druckte mit zwei (Kat. Augsburg 1998: drei) Platten , einer ockerartigen Grundfarbe und einem Dunkelbraun darüber wobei das Papier zu den weißen Lichtern benutzt wurde . Diese (Aquatinta-)Drucke nannte man Helldunkel “ (oder clairobscur) (Schmidt). Dieses
(Jahn).
Ein solches non plus ultra der Wiedergabe denn auch hier. Die fieberhaft gesteigerten Bewegungen der herrlichen Leiber dem Betrachter mitteilend, als sei er mitten unter ihnen, stünde in brüderlichem Einklang auch mit ihren edlen Köpfen. Somit vollgültig vermittelnd, was Wilhelm Schmidt schon vor hundert Jahren in der ADB resümmierte :
Thematisch sind es die Reiterschlachten und ihr stilleres Vor- und Nachfeld als die ganz wesentliche Welt des Pferdes von einst , deren zwangsläufiges Hauen und Stechen nur anfängliche Aufmerksamkeit beansprucht, viel eher die Erkenntnis vermittelt, „daß die Ausdrucksskala nirgends breiter gefächert ist, als hier im Spannungsfeld zwischen Todesangst und Lebensfreude“ (Biedermann, Meisterzeichnungen des Dt. Barock, Nr. 173), um sodann
die Einzigartigkeit des Pferdes atemberaubend zu erschließen . Denn nirgendwo sonst als in diesen Grenzsituationen die Möglichkeit der Gestaltung einer geradezu unvorstellbaren Bewegungsvielfalt. Von ruhig und souverän bis zum ungezügelten Abgang des herrenlos gewordenen Tieres. Dazwischen die weite Palette natürlicher Bravour und gezügelten Draufgängertums, denen gegenüber noch das erregendste Rennen nur ein lahmes Ereignis ist. Die vielfach starken Einzelgruppen des Vordergrundes gestaffelt bis hin zu nur noch schattenhaften Bewegungen am Horizont. Entsprechend die Behandlung von Wolken und Umfeld. Wie hier ein Thema künstlerisch grandios bewältigt wurde, spiegeln die Arbeiten Johann Christians adäquat wider. Ohne sie wäre der große Rugendas nicht so weitverbreitet berühmt geworden. Und „ durch die genaue Wiedergabe der Datierungen und Bezeichnungen (Teuscher). Und wie bei so manchem der alten Niederländer ein marginales Repoussoir als gleichsam figürliche Signatur stetig wiederkehrt, so grüßt hier immer wieder ein irgendwo herumliegender herrenloser Helm.
Hiesige Druckqualität einheitlich großartig bei teilweise noch viel Plattenschmutz in den Rändern als Merkmal früher Zustände. Die Plattenkanten gleichwohl teilweise etwas scharf eingedrückt und in zwei Fällen in je einer Ecke bzw. Seite vorsorglich verstärkt.
Der Erhaltungszustand korrespondiert mit obigem Vorbesitz. Zwar teilweise gleichmäßig leicht gebräunt, hier und da auch etwas stockstippig und die meisten Blätter mit Wasserrand oben rechts, der gegebenenfalls auch durchs Bild hindurchgeht, hinsichtlich des Eigentons dort indes nicht bemerkt wird. Drei hinterlegte winzige Randein- bzw. ausrisse. Der Einband leicht beschabt. Gesamthaft ein rundum schönes Exemplar dieser technisch einzigartig dargebotenen Arbeiten eines der faszinierendsten Pferde-Gestalter schlechthin. Augsburger Provenienz, die dann schon in der nächsten Generation mit Ridinger einen weiteren ganz Großen hervorbrachte, ohne daß das Lehrer-Schüler-Verhältnis über die Vermittlung der Radiertechnik (Biedermann, a. a. O., S. 338) hinausgegangen wäre. Beide waren darüberhinaus evangelische Direktoren der dortigen Akademie. Und künstlerisch Unsterbliche. Angebots-Nr. 12.223 / Preis auf Anfrage
(Sign. L. B., April 5, 2002) |