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„ war  ohne  Zweifel  ein  Talent  ersten  Ranges,

um  nicht  zu  sagen , ein  Genie “

Georg Philipp Rugendas I, Reiter-, Pferde- und Schlachtenszenen aus 1693-1705 (Teuscher 607)

„ Diese  Folgen …

dokumentieren  die  Gemälde “

Rugendas I, Georg Philipp (1666 Augsburg 1742). Reiter-, Pferde- und Schlachtenszenen aus 1693 – 1705. 24 Folgen zu 48 Blatt (von gesamthaft 27 zu 64 Blatt). Clairobscurs von Johann Christian Rugendas (1708 Augsburg 1781). Ca. 1740. Qu.-fol. Hldr.-Bd. d. Zt. a. 5 Bünden m. Ldrecken. u. marmor. Deckelbezügen.

Teuscher 593-640 (von 589-652) nebst Abbildungen; Stillfried 529-576 (von 525-588). – Vgl. Nagler, J. Chr. R., 5-17. – schriften der ridinger handlung 7. – Mit gestochenem alten Wappen-Exlibris und dem der Slg. Dr. Roederstein.

Georg Philipp Rugendas I, Reiter-, Pferde- und Schlachtenszenen aus 1693-1705 (Teuscher 632)

Die in sich completten 24 Folgen a-x (g = 2 x verwandt; die hier nicht präsente „AA“ von Teuscher und Stillfried unter Außerachtlassung der Kustoden-Abfolge vor „a“ gesetzt) nach den väterlichen Gemälden. Die von Nagler gezählten 80 und von ihm willkürlich auf 17 Suiten verteilten Clairobscurs beziehen auch lediglich zeichnerische Vorlagen des Vaters ein.

Georg Philipp Rugendas I, Reiter-, Pferde- und Schlachtenszenen aus 1693-1705 (Teuscher 638)Georg Philipp Rugendas I, Reiter-, Pferde- und Schlachtenszenen aus 1693-1705 (Teuscher 640)

Hiesige nach den Gemälden geabeitete Folgen a-x meist ein- und zweiblätterig, doch auch zu viert (2) bzw. zu acht. Die hier nicht präsenten AA, y + z dokumentieren jeweils 4, 10 + 2 Öle. Sie sind sämtlichs mit den Signaturen von Vater (nebst Datum, teils auch Lokalität ihrer Entstehung) und Sohn bezeichnet.

Abgezogen auf einheitlich schönem festen Bütten von 24 x 36 cm, messen die Plattengrößen 10,2-21,7 x 10,5-32,4 cm, wobei eine Mittelgröße von etwa 17 x 24 cm dominiert. Entsprechend unterschiedlich die Breitrandigkeit, doch nur eines der ganz großen Blätter 8 cm auf der unteren Plattenkante geschnitten. Das erste Blatt rechts knappe 5 cm angerändert, das zweite mit leichter Quetschung im unteren linken Bildrand.

Georg Philipp Rugendas I, Reiter-, Pferde- und Schlachtenszenen aus 1693-1705 (Teuscher 630)

Großartige Sammlung jener Arbeiten, die den genialen Dynastie-Begründer als

Pferdemaler

so unvergleichlich dokumentiert. Denn der auf väterliche Vorlagen spezialisierte zweite Sohn Christian pflegte

„eine  besondere  Manier,

„welche  die  Sepia-  oder  Bisterzeichnungen  (hier  die  Gemälde)
mit  aufgesetzten  Lichtern  wiedergeben  sollte ,

er  druckte  mit  zwei  (Kat. Augsburg 1998: drei)  Platten ,

einer  ockerartigen  Grundfarbe  und  einem  Dunkelbraun  darüber
à  la  Mezzotinto,

wobei  das  Papier  zu  den  weißen  Lichtern  benutzt  wurde .

Diese  (Aquatinta-)Drucke  nannte  man  Helldunkel “  (oder clairobscur)

(Schmidt). Dieses

„ zum Prinzip der Bildgestaltung erhobene Gegeneinanderwirken von Hell und Dunkel in Malerei und Graphik … bedingt weitgehende Aufgabe der Lokaltöne

und  opfert  zeichnerische  Schärfe
dem  im  eigentlichen  Sinne  malerischen  Reiz ,

wie er durch die Polarität von Licht und Schatten mit ihren Abstufungen hervorgerufen wird. Die Helldunkelmalerei beginnt bei Correggio, wird von Caravaggio ausgebildet und von diesem mittelbar durch Rembrandt übernommen, der ihre letzten Möglichkeiten entwickelt hat “

(Jahn).

Georg Philipp Rugendas I, Reiter-, Pferde- und Schlachtenszenen aus 1693-1705 (Teuscher 603)

Ein solches non plus ultra der Wiedergabe denn auch hier. Die fieberhaft gesteigerten Bewegungen der herrlichen Leiber dem Betrachter mitteilend, als sei er mitten unter ihnen, stünde in brüderlichem Einklang auch mit ihren edlen Köpfen. Somit vollgültig vermittelnd, was Wilhelm Schmidt schon vor 125 Jahren in der ADB resümmierte :

Georg Philipp Rugendas I, Reiter-, Pferde- und Schlachtenszenen aus 1693-1705 (Teuscher 622)Georg Philipp Rugendas I, Reiter-, Pferde- und Schlachtenszenen aus 1693-1705 (Teuscher 635)

„ Zweifellos würde (der ältere Georg Philipp Rugendas), unter bessere Verhältnisse versetzt, etwa in den Niederlanden um 1650 lebend, ein Künstler geworden sein, der seine

sämmtlichen  Pferde-  und  Schlachtenconcurrenten  überflügelt  hätte . “

Thematisch sind es die Reiterschlachten und ihr stilleres Vor- und Nachfeld als

die  ganz  wesentliche  Welt  des  Pferdes  von  einst ,

deren zwangsläufiges Hauen und Stechen nur anfängliche Aufmerksamkeit beansprucht, viel eher die Erkenntnis vermittelt, „daß die Ausdrucksskala nirgends breiter gefächert ist, als hier im Spannungsfeld zwischen Todesangst und Lebensfreude“ (Biedermann, Meisterzeichnungen des deutschen Barock, Nr. 173), um sodann

Georg Philipp Rugendas I, Reiter-, Pferde- und Schlachtenszenen aus 1693-1705 (Teuscher 631)

die  Einzigartigkeit  des  Pferdes  atemberaubend  zu  erschließen .

Denn nirgendwo sonst als in diesen Grenzsituationen die Möglichkeit der Gestaltung einer geradezu unvorstellbaren Bewegungsvielfalt. Von ruhig und souverän bis zum ungezügelten Abgang des herrenlos gewordenen Tieres. Dazwischen die weite Palette natürlicher Bravour und gezügelten Draufgängertums, denen gegenüber noch das erregendste Rennen nur ein lahmes Ereignis ist. Die vielfach starken Einzelgruppen des Vordergrundes gestaffelt bis hin zu nur noch schattenhaften Bewegungen am Horizont. Entsprechend die Behandlung von Wolken und Umfeld.  Wie  hier ein Thema künstlerisch grandios bewältigt wurde, spiegeln die Arbeiten Johann Christians adäquat wider. Ohne sie wäre der große Rugendas nicht so weitverbreitet berühmt geworden. Und

„ durch  die  genaue  Wiedergabe  der  Datierungen  und  Bezeichnungen
der  Vorlagen  (bilden  anstehende  Clairobscurs)  eine  wichtige  Grundlage
für  die  Rekonstruktion  des  Œuvre  von  Georg  Philipp  Rugendas  d. Ä. “

(Teuscher).

Und wie bei so manchem der alten Niederländer ein marginales Repoussoir als gleichsam figürliche Signatur stetig wiederkehrt, so grüßt hier immer wieder ein irgendwo herumliegender herrenloser Helm.

Georg Philipp Rugendas I, Reiter-, Pferde- und Schlachtenszenen aus 1693-1705 (Teuscher 610)Georg Philipp Rugendas I, Reiter-, Pferde- und Schlachtenszenen aus 1693-1705 (Teuscher 611)

Hiesige Druckqualität einheitlich großartig bei teilweise noch viel Plattenschmutz in den Rändern als Merkmal früher Zustände. Die Plattenkanten gleichwohl teilweise etwas scharf eingedrückt und in zwei Fällen in je einer Ecke bzw. Seite vorsorglich verstärkt.

Georg Philipp Rugendas I, Reiter-, Pferde- und Schlachtenszenen aus 1693-1705 (Teuscher 624)Georg Philipp Rugendas I, Reiter-, Pferde- und Schlachtenszenen aus 1693-1705 (Teuscher 626)

Der Erhaltungszustand korrespondiert mit obigem Vorbesitz. Zwar teilweise gleichmäßig leicht gebräunt, hier und da auch etwas stockstippig und die meisten Blätter mit Wasserrand oben rechts, der gegebenenfalls auch durchs Bild hindurchgeht, hinsichtlich des Eigentons dort indes nicht bemerkt wird. Drei hinterlegte winzige Randein- bzw. ausrisse. Der Einband leicht beschabt. Gesamthaft ein rundum schönes Exemplar dieser technisch einzigartig dargebotenen Arbeiten eines der

faszinierendsten  Pferde-Gestalter

schlechthin. Augsburger Provenienz, die dann schon in der nächsten Generation mit Ridinger einen weiteren ganz Großen hervorbrachte, ohne daß das Lehrer-Schüler-Verhältnis über die Vermittlung der Radiertechnik (Biedermann, a. a. O., S. 338) hinausgegangen wäre. Beide waren darüberhinaus evangelische Direktoren der dortigen Akademie. Und künstlerisch

Unsterbliche.

Angebots-Nr. 12.223 / Preis auf Anfrage

Georg Philipp Rugendas I, Reiter-, Pferde- und Schlachtenszenen aus 1693-1705 (Teuscher 605)


“ the book has arrived! Many thanks for your helpfulness! Have a nice day, and kind regards ”

(Mr. S. S., May 9, 2016)